Die Frankfurter Buchmesse ist einer der bedeutendsten Branchentreffs für Verlage, Autor*innen, Buchhandlungen und Leser*innen. Mitte Oktober trifft sich in Frankfurt die Buchbranche zur Feier ihrer Vielfalt. Zahlreiche Veranstaltungen stehen auf dem Programm und dabei steht jedes Jahr ein Gastland im Mittelpunkt. In diesem Jahr sind die Philippinen dieser Ehrengast. Mal sehen, was es da so zu lesen gibt.
Von 15. bis 19. Oktober 2025 steht Frankfurt ganz im Zeichen des Buches. Am größten Marktplatz der Buchbranche, der Frankfurter Buchmesse, wird ein buntes Programm aus Buchpräsentationen, Lesungen und Diskussionen geboten. Halle um Halle voll mit Büchern. Jedes Jahr präsentiert sich ein Gastland mit eigenem Schwerpunkt. Dieses Jahr sind die Philippinen an der Reihe, ein Inselstatt im Pazifischen Ozean mit höchst wechselvoller Geschichte.
Unter dem Motto „Fantasie beseelt die Luft“ geben die Philippinen einen Einblick in ihr reiches kulturelles Erbe, das von multiplen Einflüssen geprägt ist. Auf den etwa 7.600 Inseln werden 135 Sprachen gesprochen. Die Bevölkerung besteht aus dutzenden Ethnien und Kulturen. Auch die wechselvollen politischen Entwicklungen haben sich in das einzigartige philippinische Storytelling eingeschrieben.
Um euch Appetit auf die Literatur des diesjährigen Ehrengastes zu machen, haben wir eine kleine, feine Buchauswahl getroffen. Drei Bücher davon werden wir hier kurz vorstellen und zwar:
DER Klassiker der philippinischen Literatur darf natürlich nicht fehlen, nämlich „Noli me tangere“ von José Rizal. Die Geschichte des jungen, idealistischen Ibarra ist eines der frühesten literarischen Zeugnisse der Kritik am Kolonialismus. Ende des 19. Jahrhunderts kehrt Ibarra nach einem Studium in Europa in seine Heimat zurück. Sein anfänglicher Erneuerungsdrang wird rasch durch die von Korruption, Unterdrückung und religiösem Dogmatismus zerfressene Gesellschaft gebremst. Die spanischen Kolonialherren halten, mit Unterstützung des machtbesessenen katholischen Klerus, die Zügel fest in der Hand. Als er eine Schule bauen möchte, erkennt er zu spät, dass sich seine private Fehde mit dem Gemeindepfarrer in eine teuflische Intrige verwandelt. Die Veröffentlichung seines revolutionären Widerstandromans musste José Rizal mit seinem Leben bezahlen. Er gilt noch heute als Märtyrer der Philippinen und „Noli me tangere“ ist Pflichtlektüre in den Schulen.
Der nächste Roman stammt von Lualhati Bautista, die eine der bedeutendsten Autorinnen zeitgenössischer philippinischer Literatur war. Ihr Buch „Die 70er“ ist DER feministische Klassiker der Philippinen. Amanda Bartolome lebt in einer eingezäunten Mittelklassesiedlung in Manila. Man ist unter sich und die übrige Stadt und der Rest der Welt bleiben ausgesperrt. Doch dann bringen ihr Mann und die fünf Söhne allerlei Allerlei ins Haus: Neuigkeiten, Schwiegertöchter und verletzte Untergrundkämpfer. Bald folgt die Polizei. Für Amanda tun sich daraus tausende Widersprüche auf, doch davon lässt sie sich nicht unterkriegen. Sie beginnt nachzudenken, Verbindungen herzustellen und unterschiedliche Standpunkte zu verstehen. Mit der Figur der Amanda Bartolome hat Lualhati Bautista einen Charakter geschaffen, der für die Rolle der Frauen in der philippinischen Gesellschaft steht. „Die 70er“ zeigt außerdem den konkreten Einfluss der Politik auf das Leben der Menschen im Land auf. Lualhati Bautista gilt mit ihrer klaren, kraftvollen Sprache auch heute noch als Vorbild für philippinische Autorinnen und Autoren.
Jessica Zafra schließlich zeigt in ihrem Roman „Ein ziemlich böses Mädchen“ den fest verankerten Klassismus in der philippinischen Gesellschaft aus Sicht eines jungen Mädchens. Guada wächst in Manila bei ihrer Mutter auf. Ihr Vater, ein Seemann und Schürzenjäger, hat sich schon lange aus dem Staub gemacht. Ihre Mutter ist Lehrerin und verdient sich durch den Verkauf von selbstgemachtem Streetfood ein wenig Geld dazu. Ein stinkreicher Unternehmer wird auf ihre Kochkünste aufmerksam, stellt sie ein und lässt Guada und sie auf seinem Luxus-Anwesen wohnen. Für Guada ist das ein ziemlicher Crash der Kulturen. Sie ist abgestoßen von der Lebensweise und Arroganz der Reichen und dem devoten Verhalten ihrer Mutter. Mit sarkastischem Unterton und feinem Humor schildert das Mädchen seine Wahrnehmungen der krassen gesellschaftlichen Widersprüche. Guada zieht sich schließlich mehr und mehr zurück, will mit der aus ihrer Sicht kranken Gesellschaft nichts mehr zu tun haben. Bis sie in einem rasanten Schlusskapitel alles hinter sich lässt.
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- José Rizal
Noli me tangere
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Insel Verlag (zur Verlags-Website) - Lualhati Bautista
Die 70er
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Orlanda Verlag (zur Verlags-Website) - Jessica Zafra
Ein ziemlich böses Mädchen
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Transit Verlag (zur Verlags-Website)