Zum 8. Mal wird heuer der WORTMELDUNGEN Ulrike Crespo Literaturpreis vergeben. Er zeichnet kritische Kurztexte aus, die sich mit drängenden gesellschaftlichen Fragen der Gegenwart auseinandersetzen. Der:Die Preisträger:in wird Mitte März bekanntgegeben.
Unter WORTMELDUNGEN werden bereits die fünf für die Shortlist nominierten Autor:innen vorgestellt und ihre Texte zum Download bereitgestellt. Allesamt werfen sie Schlaglichter auf Aspekte, die gerne als die „großen Themen der Gegenwart“ bezeichnet werden. Es geht um Künstliche Intelligenz, Geschlechtsidentität, Antisemitismus, Migration und Krieg. Super spannend und sehr kreativ umgesetzt. Klickt auf den Link und macht euch selbst ein Bild.
Die Autor:innen auf der diesjährigen Shortlist werdet ihr vermutlich kennen, da sie auch schon eigene Bücher verfasst haben. Wir haben hier einfach mal eine persönliche Auswahl aus ihren Veröffentlichungen getroffen, die wir euch vorstellen möchten.
Clemens J. Setz ist einer der Nominierten. Aus seinen zahlreichen Werken haben wir „Die Bienen und das Unsichtbare“ herausgegriffen. Darin beschäftigt er sich mit dem Thema Plansprachen / Kunstsprachen und geht der Frage nach, was Menschen dazu antreibt, eine eigene Sprache zu erfinden. Nicht nur Esperanto wird angesprochen, sondern auch viele andere, vielleicht auch weniger geläufige Plansprachen, wie Talossa, Volapük oder Blissymbolics. Setz präsentiert die Sprachschöpfer:innen sehr lebendig und die Entstehungsgeschichten der Sprachen anekdotenreich. Und auch seine eigenen persönlichen Erfahrungen mit Kunstsprachen und sogar der Erfindung einer neuen Sprache fließen ins Buch ein.
Eine weitere Nominierte ist Susanne Gregor. Von ihr ist gerade erst ein neuer Roman erschienen. „Halbe Leben“ erzählt von Ungleichheit im Leben von zwei Frauen, die einander eigentlich gar nicht sooo unähnlich sind. Sie sind ungefähr im gleichen Alter, haben eine Familie und Kinder und jede hat einen Job. Paulína kommt aus der Slowakei und pflegt Klaras Mutter nach einem Schlaganfall. Während Paulína sich immer mehr in einem Netz von Gefälligkeiten verstrickt, die sie der Familie ihrer Arbeitgeberin Klara angedeihen lässt, werden ihre eigenen Kinder daheim in der Slowakei von ihrer Schwiegermutter aufgezogen. Paulína kann bald schon nicht mehr nein sagen, sich nicht mehr von den Begehrlichkeiten von Klaras Familie abgrenzen. Für Klara hingegen ist Paulína ein Glücksgriff, eine Perle, die sie im Alltag entlastet, sodass sie auch wieder Energie hat, sich ihrer beruflichen Karriere zu widmen. Für Dienste und Extradienste wird Paulína mit großzügigen Geschenken belohnt und mit so etwas wie Freundschaft. Eine Win-Win-Situation für alle Seiten – oder nicht?
„Die Realität kommt“ heißt I.V. Nuss‘ Buch. Es spielt in einer Zeit, in der virtuelle Welten genauso real sind, wie Lebenswelten virtuell. Conny, Nikita und Wolfgang destillieren in einer Küstenstadt Drogen aus angeschwemmtem Müll. Conny lenkt sich im Netz in der einst marktbeherrschenden Virtual Reality mit Namen „Avalon“ ab und lernt dort den großen Vogel Marlo kennen. Zusammen mit ihren Freunden machen sie sich auf die Suche nach der letzten Kopie der sowjetischen Utopie-Virtual-Reality „Arkadi 3“. Dort soll das Leben noch weichgezeichneter sein, als das Licht. Und zur gleichen Zeit verschwinden immer mehr Menschen auf der Suche nach der reinen Wirklichkeit in den tiefen Pools der „Neuen Immersion“. Über echte Liebe in Zeiten digitalisierter Gefühle.
Josefine Soppa entführt uns in „Mirmar“ in ein Frauen-Kollektiv, das am Meer ein Leben jenseits von Carearbeit, Altersarmut und Ungleichheit erprobt. „Mirmar“ ist Soppas Debütroman. Sie beschreibt darin eine ungewöhnliche Mutter-Tochter-Beziehung. Die beiden halten sich mit Untervermietungen ihrer Wohnungen, digitalen Aushilfsjobs und einer Massageliege über Wasser. Doch eines Tages verschwindet die Mutter. Die Tochter macht sich auf die Suche nach ihr. Auf ihrer Reise erinnert sie sich an ihre Mutter mit all ihren Ängsten und Sehnsüchten und an das prekäre Leben, das sie beide führen. Hat sich die Mutter tatsächlich jenen Frauen angeschlossen, die am Meer in Unterkünften ehemaliger Pauschalreiseanbieter leben? Eine faszinierende Geschichte über Solidarität unter Frauen.
Die fünfte Nominierte für den WORTMELDUNGEN Literaturpreis 2025 ist Dana von Suffrin. Ihr Roman „Nochmal von vorne“ stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2024. In diesem Buch erzählt sie die wechselvolle Geschichte der Familie Jeruscher aus Sicht der Tochter Rosa. Rosa löst nach dem Tod des Vaters seine Wohnung auf. Dabei werden viele alte Erinnerungen wach, die sie eigentlich ruhen lassen wollte. Rosa lässt die irrwitzige Kindheit in den 90er Jahren Revue passieren, die gescheiterte Ehe der Eltern und die Episoden mit der Verwandtschaft in Israel. Auch ihre verschwundene ältere Schwester, mit der sie aus gutem Grund gebrochen hat, stiehlt sich wieder in Rosas Gedanken. Ist eine Wiederannäherung der beiden Frauen möglich?
Viel Spaß mit dieser Buchauswahl und den Kurztexten der WORTMELDUNGEN-Nominierten. Und nicht vergessen: Die Gewinnerin oder der Gewinner des WORTMELDUNGEN Ulrike Crespo Literaturpreises 2025 wird Mitte März bekanntgegeben. Und gewonnen hat schließlich Josefine Soppa mit ihrem Text „Klick Klack, der Bergfrau erwacht“.
- Clemens J. Setz
Die Bienen und das Unsichtbare
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Suhrkamp Verlag (zur Verlags-Website) - Susanne Gregor
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Zsolnay Verlag (zur Verlags-Website) - I.V. Nuss
Die Realität kommt
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Diaphanes Verlag (zur Verlags-Website) - Josefine Soppa
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Aufbau Verlag (zur Verlags-Website) - Dana von Suffrin
Nochmal von vorne
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Kiepenheuer & Witsch Verlag (zur Verlags-Website)