Noch bis zum 29. Oktober 2018 zeigt das Wiener Leopold Museum die wunderbare Ausstellung „Machen Sie mich schön, Madame d’Ora“, die Einblicke in Leben und Werk der richtungsweisenden österreichischen Fotografin Dora Kallmus bietet. Im Brandstätter Verlag ist dazu ein aufwändig gestalteter Katalog erschienen.

Dora Kallmus, 1881 geboren, ist eine der ersten Frauen, die in Wien ein Fotostudio eröffnet. Das war im Jahr 1907. Die guten Kontakte ihrer Familie zu Wiener Künstler- und Wirtschaftskreisen bescheren ihr rasch Aufträge für Portraitaufnahmen. Berta Zuckerkandl, Anna Sacher und Karl Kraus gehören zum frühen Kundenkreis. Auch die Kaiserfamilie und Adelige lassen sich von ihr fotografieren. Ab 1923 verbringt Kallmus mehr und mehr Zeit in Paris, wo berühmte Modeaufnahmen für Zeitschriften entstehen. Im Jahr 1925 übersiedelt sie endgültig in die französische Hauptstadt, wo sie ein Atelier eröffnet. Die 20er- und 30er-Jahre stehen ganz im Zeichen von Haute Couture und Haute Société.

Im 2. Weltkrieg muss Kallmus nach dem Einmarsch deutscher Truppen 1940 ihr Pariser Atelier verkaufen, von 1942 bis zum Kriegsende lebt sie als französische Jüdin versteckt in Lalouvesc, einem Ort im Südosten Frankreichs. Nach dem Krieg ändert sich ihr Schaffen radikal. Die Zeit der Modefotografie ist vorbei. Dora Kallmus arbeitet nur noch mit einer portablen Kamera. Damit entstehen Reportagen aus Flüchtlingslagern, auch die Schlachthöfe von Paris sind mehrmals Kulisse für ihre Arbeiten. Schlachtvieh als Metapher für die Judenvernichtung unter der Naziherrschaft.

Die Kuratorinnen der Ausstellung im Leopold Museum, Monika Faber, Esther Ruelfs und Magdalena Vukovic haben sich eingehend mit Leben und Werk von Dora Kallmus auseinandergesetzt und einen umfangreichen und liebevoll gestalteten Katalog im Brandstätter Verlag herausgegeben. Darin werden ihr Werdegang und ihre Arbeiten aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Die Texte enthalten viel Wissenswertes, die Informationen sind kurzweilig aufbereitet. Und natürlich dürfen die eleganten, pompösen, eindringlichen und erschreckenden Fotos nicht fehlen. Der Ausstellungskatalog ist reich bebildert und enthält eine umfassende Zusammenschau quer durch alle Schaffensperioden.

Jedenfalls ein bereicherndes Buch, nicht nur für Fotografie-Begeisterte!

Monika Faber, Esther Ruelfs, Magdalena Vukovic
Machen Sie mich schön, Madame d’Ora
Dora Kallmus – Fotografin in Wien und Paris 1907-1957
Verlag Brandstätter