indiebookday – Feiertag der unabhängigen Verlage am 26. März 2022
foto buchauswahl indiebookday 2022 bei planet buch

indiebookday – Feiertag der unabhängigen Verlage am 26. März 2022

Jedes Jahr im März wird der indiebookday gefeiert. Unabhängige, meist kleine Verlage nutzen diesen Feiertag, um auf ihr kreatives Wirken in der Buchbranche und ihren Einsatz für die Vielfalt in der Verlagslandschaft aufmerksam zu machen.

Viele kleine Verlage machen mit viel Leidenschaft und Einsatz tolle lesenswerte Bücher. Bei zigtausenden Buch-Neuerscheinungen pro Jahr erweist es sich jedoch oft als schwierig, genügend Aufmerksamkeit dafür innerhalb der Leser*innenschaft zu bekommen. Daraus entstand die Idee für den indiebookday, der 2013 erstmals stattgefunden hat. Leserinnen und Leser sollten im März bewusst Bücher unabhängiger Verlage kaufen und dann ein Foto von sich und dem Buch in einem beliebigen sozialen Netzwerk unter dem #indiebookday posten.

Die Aktion kam in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleich so gut an, dass nach und nach auch Teilnehmer aus UK, Italien, den Niederlanden und Portugal dazukamen. Sogar Brasilien hat der indiebookday schon erreicht.

Natürlich helfen wir als unabhängige Buchhandlung gern dabei mit, Euch für Bücher aus kleinen Verlagen zu begeistern. Darum haben wir auch dieses Jahr unser Sortiment durchstöbert und einen bunten Büchermix aus unabhängigen Verlagen auf unserem Büchertisch für Euch zusammengestellt.

Hier findet ihr zum Beispiel das Buch „Wien – Legende & Wirklichkeit“ von Ilsa Barea vom Verlag Edition Atelier. Ilsa Barea war als österreichische Journalistin im Spanischen Bürgerkrieg, emigrierte nach Frankreich und von dort nach England. Ihr Buch über die Geschichte Wiens hat sie in englischer Sprache verfasst und es erschien 1966 unter dem Titel „Vienna – A Sketch of a Portrait“. Obwohl es zwischendurch in viele andere Sprachen übersetzt wurde, ist das vorliegende Buch aus dem Jahr 2021 die erste deutsche Übersetzung.

Keine Ahnung, warum es so lang gedauert hat, denn das Buch ist tatsächlich ein besonderes Leseereignis. Es ist eine Kultur- und Stadtgeschichte, die Wien in allen möglichen Zeiten und aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachtet. Eine Liebeserklärung, die die Besonderheiten und Marotten der Stadt und ihrer Einwohner*innen einem englischsprachigen Publikum aus einem quasi anderen Kulturkreis näherbringen wollte. Dabei bleibt Ilsa Barea aber immer kritisch und schönt auch Unrühmliches nicht. Ein Informationsschatz für alle Wieninteressierten: Ilsa Barea lässt die großen und kleinen Momente der lebenswertesten Stadt der Welt Revue passieren, schreibt über Kunst und Kultur, architektonische und intellektuelle Höchstleistungen, über den Glanz und Verfall der Epochen und immer wieder über die Menschen, die Wien so einmalig gemacht haben. Eigentlich schade, dass das Buch mit dem Zeitenbruch des 1. Weltkriegs endet…

Dann wollen wir gleich eine ganze Produkt-Reihe aus dem Maro Verlag vorstellen – die MaroHefte. Essay trifft auf Illustration kann man es beschreiben. In jedem Heft wird ein populär-relevantes, abseitiges, grundlegendes, absurdes oder tabubehaftetes Thema aktuell aufbereitet und mit wahnsinns Druckgrafiken mit bis zu 5 Sonderfarben im Format 13,5 x 20,5 cm gedruckt. Die Werke sind fadengeheftet und mit Schutzumschlag versehen. Schon als solches ein kleines Kunstwerk liegen den Originalausgaben auch noch Plakate und/oder Lesezeichen bei. Ein Fest für Hirn und Augen!

Auf unserem indiebookday-Tisch liegt „Maroheft #3 – Aus den Ärschen aus dem Sinn“ in dem sich Felix Bork auf eine Odyssee durch Körper, Klo, Kanalisation, Kläranlage und Wolken begibt. Vielleicht tauschen wir es aber auch noch gegen „Maroheft #6 – Talking ‘bout your Generation – Wie die Welt den Bach runtergeht und dabei das Meer überläuft“. Oder wir haben schon „Maroheft #2 – Das Jungfernhäutchen gibt es nicht“ von Oliwia Hälterlein und Aisha Franz hingelegt, bis ihr uns in unserem Geschäft besucht.

Ihr findet zum Beispiel auch das Buch „Grabgeflüster“ von Máirtín Ó Cadhain aus dem Kröner Verlag bei uns. Erschienen ist das Buch bereits 1949 und gilt als DER Kultroman des gälischsprachigen Irland. Wie der Name schon vermuten lässt, sind alle Protagonisten tot und begraben. Doch unter der Erde wird weiter gejammert, gelästert, geschimpft, geflucht und intrigiert, dass es eine wahre Freude ist. Bassena-Tratsch ist harmlos dagegen!

Zum Abschluss haben wir noch ein Buch aus der Friedenauer Presse, die im Verlag Matthes & Seitz herausgegeben wird, zur Vorstellung ausgewählt. In dieser Reihe erscheinen wunderhübsch gestaltete Bücher mit Schutzumschlägen aus dickem Papier, darauf Illustrationen von Grafiker*innen und Künstler*innen. Mit ihrem Format von 12 x 18 cm eignen sie sich auch hervorragend zum Mitnehmen.

Jedenfalls geht es um „Ein kurzer Spaziergang“ von Alberto Vigevani. Darin erzählt er die Geschichte von Tante Jole und Onkel Giorgetto, die bei einem Fluchtversuch in die Schweiz 1939 verhaftet werden und im Gefängnis auf die Deportation warten. Gleichzeitig ist es auch die Geschichte von Vigevani und seiner Frau, die als junges Paar angesichts von Faschismus und Verfolgung ein Auswandern nach Amerika in Erwägung ziehen. „Ein kurzer Spaziergang“ ist eine intensive Erzählung über Glücksmomente in einem Leben, das von existentiellen Katastrophen heimgesucht wird. Wie eng Freude, Hoffnung und tiefste Traurigkeit beisammen liegen, wie sie sogar in einem einzigen Moment zusammentreffen können, das schafft Alberto Vigevani lebendig und greifbar zu machen. Ein Buch über das Erinnern und die Schnelligkeit, mit der sich gesellschaftliche Normen ändern können. Sehr eindringlich.

Diese Bücher und viele andere aus unabhängigen Verlagen gibt es bei uns zu entdecken. Schaut vorbei und seht selbst, wir freuen uns auf euren Besuch!