o-töne Literaturfest im Wiener Museumsquartier – Sommerzeit ist Vor-Lesezeit
foto buchauswahl o-toene literaturfest 2024 im museumsquartier wien bei planet buch

o-töne Literaturfest im Wiener Museumsquartier – Sommerzeit ist Vor-Lesezeit

  • Beitrags-Autor:
  • Beitrags-Kategorie:Aktuelles
  • Lesedauer:4 Minuten zum Lesen

Es ist wieder soweit. Mitten in die Hitzewelle hinein startet am 11. Juli das o-töne Literaturfest 2024 im Hof des Wiener Museumsquartiers. Daniela Strigl und Klaus Kastberger haben auch in diesem Jahr ein abwechslungsreiches Programm an Lesungen zusammengestellt. Wir haben ein paar Empfehlungen für euch herausgepickt.

Sommerzeit ist o-töne-Zeit möchte man fast sagen. Es ist schon langjährige Tradition, dass im Juli und August der Hof des Wiener Museumsquartiers mit Lesungen bespielt wird. Von 11. Juli bis 29. August lesen Autorinnen und Autoren jeweils am Donnerstag bei freiem Eintritt Auszüge aus ihren Romanen vor. Dabei kommen jede Woche Autor*innen mit ihren Debütromanen zu Wort und danach lesen Autor*innen, die bereits mit anderen Büchern in Erscheinung getreten sind.

Im heurigen Jahr feiert das Fest besonders viele Buchpremieren, darunter den neuen Roman von Bestseller-Autor Arno Geiger, „Reise nach Laredo“. Außerdem lesen im Hauptprogramm gleich fünf Stimmen, die zum ersten Mal bei den o-tönen zu hören sind. Elias Hirschl mit „Content“, einer phantastisch-realistischen Geschichte über die Internet-Industrie. Anna Mitgutsch mit „Unzustellbare Briefe“, einer Mischung aus Roman und Autobiografie. Stefanie Sargnagel mit ihrem irrwitzigen Reisebericht „Iowa“. Vladimir Vertlib und Jana Volkmann sind auch das erste Mal mit dabei. Mehr über ihre Bücher gibt es im 2. Teil unserer Empfehlungen im August.

Aus der ersten Hälfte des Lesefestprogramms (Woche 1 bis 4) haben wir diese Empfehlungen für euch zusammengestellt:

Gleich am Eröffnungsabend startet Julia Jost mit ihrem Romandebüt „Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht“. Die 11-jährige Erzählerin steht kurz vor dem Umzug weg aus der Provinz. Ihre Mutter will es sich endgültig verbessern und endlich bürgerlich werden. Noch ist aber Zeit für ein Versteckspiel mit der Freundin Luca. Während die Erzählerin unter dem Umzugs-LKW liegt, erinnert sie sich an Episoden aus ihrer bisherigen Kindheit, manche komisch, andere tragisch. Wir bekommen eine Ahnung davon, was es heißt im Dorf nicht den gängigen Klischees zu entsprechen. Ein Mädchen mit kurzen Haaren, das immer nur Hosen trägt? Geht ja gar nicht! Und ein paar Geheimnisse über die Nachbarsleute und die eigene Familie erfahren wir natürlich auch. Ein unterhaltsames Buch mit gut ausbalanciertem lokalen Sprachkolorit.

Barbara Rieger stößt uns mit „Eskalationsstufen“ in eine toxische Paarbeziehung. Schon nach wenigen Seiten ist klar, dass die Beziehung zwischen Julia und Joe eskalieren wird. Aber noch läuft alles gut. Joe ist ein exzentrischer Künstler, der nur tote Frauen malt. Aber Julia lässt sich davon nicht abschrecken. Bald beginnt sich die Spirale aus Verunsicherung, Erniedrigung und Gewalt zu drehen. In einer einsamen Hütte im Wald gibt es kein Entkommen mehr. Babara Rieger zeigt schonungslos auf, dass Gewalt in Beziehungen jede und jeden treffen kann. Ein wichtiges Buch von großer gesellschaftlicher Relevanz.

„Lauter“ ist der neue Roman von Stephan Roiss. Darin versinkt Leon, der immer nur mehr und noch mehr vom Leben will und alle Freuden auskostet, durch den Tod der Mutter und eine Krebsdiagnose in Selbstvorwürfen und Verbitterung. Erst mit Hilfe von Meditation und einer Reise quer durch Italien scheint eine Aussöhnung mit dem Leben wieder denkbar. Eine Geschichte zwischen Wut und Hoffnung, eine Liebeserklärung an die Welt und das Leben. Mal leise und dann wieder ganz, ganz laut.

Und dann in Woche 4 das Debüt von Dominika Meindl, „Selbe Stadt, anderer Planet“. Das müssen wir einfach empfehlen, sind ja immerhin auch ein Planet! Johanna ist Ärztin und übernimmt nach dem Tod des Vaters seine Praxis im idyllischen Salzkammergut. Das bedeutet auch ein Wiedersehen mit ihrer Zwillingsschwester Doris, die Hallstatt nie verlassen hat. Schon bald ist klar, dass die Schönheit der Bergwelt nur zum Preis des Overtourism der Gegend zu haben ist. Schließlich taucht ein chinesischer Strategieberater auf, der für seine Regierung diesen Ort, auf den chinesische Touristen scheinbar so abfahren, unter die Lupe nehmen soll. Als in China tatsächlich eine Hallstatt-Kopie entsteht, sind die Bewohnerinnen und Bewohner des Originals fassungslos. Johanna und Doris beschließen, das Hallstatt-Theater im fernen Asien zu besuchen. Dominika Meindl nimmt mit viel Humor Pseudoidylle und den touristischen Ausverkauf aufs Korn.

Viel Spaß beim o-töne Literaturfest. Wir melden uns im August mit weiteren Empfehlungen. In unserem Geschäft könnt ihr den ganzen Sommer über in einer Buchauswahl zum Fest schmökern.