Idyllisches Landleben war gestern. Dominik Barta hat mit „Vom Land“ einen kompakten und kraftvollen Debütroman geschrieben, in dem er hinterhältig mit unserer Sehnsucht nach Gewissheit und Stabilität spielt.

Am Anfang steht ein Frauenschicksal, nämlich das von Theresa, einer Bäuerin um die Sechzig, die mit ihrem Leben nichts mehr anfangen kann. Die ganze Sinnlosigkeit und Leere und die Erkenntnis, vermutlich nie das gewünschte, eigene und selbstbestimmte Leben geführt zu haben, verschlägt ihr buchstäblich die Sprache. Damit nimmt Dominik Barta die Leserinnen und Leser ganz schnell gefangen und flugs sind wir mitten in ein Familienschicksal eingewebt, das einem vielleicht unangenehm bekannt vorkommt.

Theresas Familie steht ratlos vor ihrem Zustand und hält ihre Isolierung in sich selbst zuerst für eine totale Zumutung. Die eigenen Probleme sind sowieso schlimmer und verstellen den Blick auf die Bedürfnisse der nächsten Angehörigen. In kurzer Zeit lernen wir die ganze Familie kennen, Männer, Frauen, Kinder und dürfen teilhaben an ihren Kämpfen und Ängsten, Stärken und Schwächen, Beziehungen und Freundschaften. Sprachlos sind sie alle, können Gefühle, die sie füreinander haben oder die Situationen in ihnen hervorrufen, nicht oder nur unzureichend in Worte fassen. Und wem von uns geht es nicht auch regelmäßig so?

Dominik Barta erzählt das alles mit einer unglaublichen Leichtigkeit und einer Riesenportion Optimismus. Dabei trifft er immer den richtigen Ton, für Alt und Jung, Männer und Frauen. Er nährt in den Leserinnen und Lesern die Hoffnung, dass Verhaltensänderungen zum Besseren und Verständnis zwischen den Generationen und Geschlechtern jederzeit möglich sind. Damit hat uns Dominik Barta auch schon in die Falle gelockt, weil wir uns beim Lesen wünschen und auch tatsächlich glauben, dass am Ende alles gut werden kann…

Dominik Barta
Vom Land
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