Woche 1 im Corona-Hausarrest ist geschafft und ein Buch, das schon länger auf unserer Leseliste stand, hat ganz hervorragend zu dieser noch vor kurzem unvorstellbaren Situation gepasst, nämlich „Jesus von Texas“ von DBC Pierre. Absurd, komisch, furchteinflößend – eine wahnwitzige Geschichte, die zeigt: Manchmal lässt sich der Fremdbestimmung einfach nichts entgegensetzen.

Der fünfzehnjährige Vernon Little lebt in einer texanischen Kleinstadt und gerät gewaltig in Schwierigkeiten, als sein Freund Jesus bei einem Amoklauf in der Schule 16 Schülerinnen und Schüler tötet und sich danach selbst umbringt. Die ganze Aufmerksamkeit des Kaffs und der zugereisten Medienhorde konzentriert sich plötzlich auf Vernon. Einer muss büßen, schließlich wird ihm sogar eine Mitwisserschaft, wenn nicht gar Mittäterschaft am Amoklauf angedichtet. Sensationsgierige Medien treiben die Justiz vor sich her. Mittendrin ein pubertierender Teenager, der gerade noch mit einer nervenden Mutter (definitiv) und der ersten Liebe (möglicherweise) beschäftigt war und dem plötzlich die Todesstrafe droht. Da bleibt wohl nur noch Flucht übrig, aber kann das alles gut gehen? Ist das ein Film mit Happy End und wenn nicht, passt dann wenigstens der Soundtrack?

DBC Pierre (ja, das ist ein Pseudonym) hat für seinen Debütroman „Jesus von Texas“ im Jahr 2003 den wichtigsten britischen Literaturpreis, den Booker-Preis, bekommen. Das Buch ist eine rabenschwarze Komödie, erzählt von einem Fünfzehnjährigen, der mal naiv, weltfremd und träumerisch vor sich hin phantasiert und dann wieder punktgenau treffende Lebensweisheiten ausspuckt. Vielleicht liegt es daran oder an der Übersetzung, dass nicht alle Sprachbilder wirklich Sinn ergeben, aber das schmälert den Lesegenuss nicht.

Temporeiche und tiefgründige Geschichte in einem Amerika, das tatsächlich das Land des unbegrenzten Wahnsinns, Verzeihung: der unbegrenzten Möglichkeiten, ist!

DBC Pierre
Jesus von Texas
Aufbau Verlag