Fiston Mwanza Mujila wurde im Juli für seinen Debütroman „Tram 83“ in Berlin mit dem „Internationalen Literaturpreis 2017“ ausgezeichnet. Der in der Demokratischen Republik Kongo geborene und in Graz lebende Autor nimmt uns in seinem Buch in ein Afrika abseits von Vergnügungstourismus und Folklore mit.

„Tram 83“ bietet von der ersten bis zur letzten Seite ein intensives Leseerlebnis. Der Autor stößt uns in einen riesigen Stadtmoloch, dessen Anziehungskraft auf den schier unerschöpflichen Vorrat an Bodenschätzen zurückzuführen ist. Alles ist irgendwie groß, laut und schmutzig, die Menschen ständig damit beschäftigt, ihr Glück außerhalb dieses Dreckslochs zu machen und bis dahin zumindest satt zu werden. Dafür müssen sie aber alle einmal Geld machen im Drecksloch und zwar mit Verbrechen aller Art. Egal ob Raub, Mord oder Zuhälterei – jede/r eben so, wie er/sie kann in einer von neuzeitlichem Kolonialismus, Männervormacht und Korruption gezeichneten Welt.

Das „Tram 83“ ist DER Club der Stadt, in dem alle Glücksuchenden aufeinandertreffen, einheimische und zugereiste Kaufende und Verkaufende. Wir erleben die Geschichte zweier ungleicher Freunde, einer kriminell und der andere, ein Literat, schwer damit beschäftigt, sich nicht korrumpieren zu lassen. Spätestens am Ende ist klar, dass niemand dem Schicksal, den Umständen, seinen Wurzeln, Trieben oder wie immer man das Unabänderliche bezeichnen möchte, entkommen kann – zumindest nicht leicht und ohne Verluste.

„Tram 83“ ist ein wildes, rohes Buch mit ganz eigenem Rhythmus. Fiston Mwanza Mujila schafft eine Komposition, die den Text beim Lesen brüllend laut macht. Die Sogwirkung lässt einen nicht eher los, als bis das Ende des Liedes erreicht ist. Großes Kopfkino mit tollem Soundtrack!

Der „Internationale Literaturpreis“ wird vom „Haus der Kulturen der Welt“ (Berlin) und der Stiftung Elementarteilchen (Hamburg) vergeben. Im Fokus stehen internationale Gegenwartsliteraturen in deutscher Erstübersetzung. Prämiert werden AutorInnen und ihre ÜbersetzerInnen. Die InitiatorInnen sind davon überzeugt, dass Erzählungen und Übersetzungen gesellschaftliche, fiktionale und sprachliche Horizonte erweitern. Die Preisverleihung findet im Rahmen eines „Fests der Shortlist“ statt, wo alle in die Auswahl gekommenen Werke samt Autorinnen und Autoren präsentiert werden. Es finden (zweisprachige) Lesungen und Gespräche über Motive, Weltzugänge und den Umgang mit Worten und Sprache statt. Auf der Shortlist 2017 stand übrigens auch die Südkoreanerin Han Kang mit ihrem Roman „Die Vegetarierin“.

Fiston Mwanza Mujila
Tram 83
Verlag Zsolnay