Jonas Lüscher lässt in seinem bitterbösen und dabei hintergründig komischen Roman „Kraft“ einen Rhetorikprofessor vor der Macht der Fakten kapitulieren. Eine tragische Geschichte, die einen vortrefflich schmunzeln lässt.

Richard Kraft, Rhetorikprofessor aus Tübingen, scheint sich in seinem Alltag noch nie wirklich zurecht gefunden zu haben. Frauen und Beziehungen waren ihm immer schon ein Rätsel. Auch seine aktuelle Ehe steckt in der Krise oder ist, besser gesagt, emotional schon Geschichte, wird aber wegen wirtschaftlicher Notwendigkeiten aufrechterhalten.

Da eröffnet sich dem Protagonisten ein scheinbar leichter Ausweg aus allen seinen Problemen. Ein Internet-Mogul bietet eine Million Dollar für die beste Antwort auf die Frage, „warum alles, was ist, gut ist und wir es dennoch verbessern können“. Leibniz und seine Theodizeefrage lassen grüßen. So macht sich also Kraft auf Einladung seines langjährigen Freundes István ins Silicon Valley auf, um sich das Preisgeld zu sichern.

Doch es wird bald klar, dass sich Richard Kraft, sonst nie um philosophische Antworten und Theorien verlegen, in seinen Erklärungsversuchen verzettelt. Gefangen in seinen Lebens- und Umweltbetrachtungen gelingt es ihm nicht, eine aus seiner Sicht befriedigende Argumentationslinie aufzubauen. Das erzeugt Stress und bringt ihn weiter vom Thema ab. Wir werden Zeugen davon, wie Richard Kraft mehr und mehr den Faden verliert und seine Lebensentscheidungen in Frage stellt, bis nur noch ein Ausweg bleibt.

Das alles verpackt der in München lebende Schweizer Autor Jonas Lüscher klug und humorvoll. Ein schwungvolles Leseerlebnis, das in die Tiefe und unter die Haut geht.

Jonas Lüscher
Kraft
Verlag C. H. Beck

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Verlag C. H. Beck