o-töne 2025 – Der August ist da und das Literaturfest im Wiener Museumsquartier geht in die 2. Halbzeit
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o-töne 2025 – Der August ist da und das Literaturfest im Wiener Museumsquartier geht in die 2. Halbzeit

Im Sommer hat Literatur ihren festen Platz im Wiener Museumsquartier. Im Juli und August findet auf der MQ Sommerbühne das o-töne Literaturfest statt. Jeden Donnerstag lesen dabei Autorinnen und Autoren aus ihren Büchern vor. An jedem dieser Abende wird ein Debütroman vorgestellt und ein Roman dessen Schöpfer*in im Literaturbetrieb nicht unbekannt ist.

Den Auftakt für das große Lesen beim o-töne Literaturfest im Museumsquartier macht am 10. Juli Wolf Haas mit seinem Bestseller „Wackelkontakt“. Dazu gibt es ein Konzert des Wienerlied-Ensembles „Kollegium Kalksburg“. An sieben weiteren Leseabenden sind dann bis zum 28. August Auszüge aus tollen Büchern zu hören. Darunter auch drei Buchpremieren von Raphaela Edelbauer, Eva Schmidt und Nava Ebrahimi. In der Debüt-Schiene finden ebenfalls Buchpremieren statt. Das sind dann Premieren-Premieren, wenn man so möchte: Anika Suck, Ana Drezga und Anna Maschik werden pünktlich zum Verkaufsstart ihre ersten Romane präsentieren.

Wie schon öfters, haben wir acht Bücher aus dem Programm ausgewählt, die wir hier gern kurz vorstellen möchten. Aus der ersten Halbzeit haben wir uns gleich mal das Eröffnungsbuch herausgegriffen, nämlich „Wackelkontakt“ von Wolf Haas (10. Juli). Weil es so geschmeidig geschrieben ist und einem die Idee dahinter so wohlig das Hirn auskugelt – echt unterhaltsam. Franz Escher wartet darin auf einen Elektriker. Eine Steckdose in seiner Küche hat einen Wackelkontakt. Um sich die Zeit zu verkürzen, liest er ein Buch über einen jungen Mafia-Kronzeugen, der bald aus dem Gefängnis entlassen werden soll. Um sich die Zeit zu verkürzen, liest dieser Elio Russo ein Buch über Franz Escher, der auf einen Elektriker wartet. Und was dann passiert ist echt spannend, Mord und Totschlag, familiäre Verstrickungen, ungelöste Geheimnisse bis zur letzten Seite. Lest das bitte!

In „Nacktschnecken“ gibt Annemarie Andre (17. Juli) dem Thema soziale Klassen einen neuen Drall, indem sie aus Sicht eines Kindes darüber schreibt. Die kleine Charlotte nimmt die Welt dabei, wie sie ist, vergleicht und bewertet nicht ständig und verurteilt nicht. Auch nicht ihre Mutter, die so ganz anders ist, als die Mütter der anderen Kinder. Die ganze Familie Leitner ist eben anders, nämlich arm. Die Leitners haben sich damit scheinbar arrangiert und erheben ihre „Sparsamkeit“ sogar zu einer Tugend (als ob sie eine Wahl hätten…) Charlotte merkt schon früh, dass sie weniger hat, als die anderen und Vater gibt es gar keinen. Ihr Umfeld reibt ihr das ständig unter die Nase. Dann wirft eine schwere Erkrankung die Mutter aus der Bahn. Die beiden erwachsenen Geschwister ziehen aus, der alkoholkranke neue Mann der Mutter zieht ein und dann passt die Familie noch weniger in die Moralvorstellungen der konservativen Kleinstadt, als vorher.

Dann haben wir einen Erzählband von Anna Weidenholzer herausgegriffen. „Hier treibt mein Kartoffelherz“ heißt er (24. Juli) und führt uns mit seinen Geschichten durch ein ganzes Jahr. Wir lernen viele Menschen kennen. Den Nachbarn im Arbeitsmantel, den Gast, der jeden Herbst das gleiche Zimmer verlangt, Isabelle, die den Hasen das Fell abzieht und einige mehr. Alle stehen zuerst in der Landschaft, wie in einem Wimmelbild und haben scheinbar nichts miteinander zu tun. Aber das Jahr schreitet voran und bringt Verbindungen und Gemeinsamkeiten ans Licht.

Am 31. Juli schließlich liest Caspar-Maria Russo aus „Prinzip Ungefähr“. Darin geht es um zwei Menschen, die eigentlich ein Paar sein müssten, es aber noch nicht sind. Iggy und Masha – er ist Filmemacher, schafft aber die Aufnahme in die Filmakademie nicht, sie ist im Online-Dating-Dschungel verschollen, studiert aber trotzdem wie nebenbei Medizin. Als sie sich kennenlernen, müssen sie erstmal verrückte Abenteuer erleben: Einen Roadtrip nach Italien, einen Kirchenraub, nacktbaden im Wörthersee. Auch die irrste Situation meistern sie noch, bevor dann das Schwerste an die Reihe kommt, eben Nähe zuzulassen. Über die Liebe in ungefähren Zeiten – nicht verpassen!

Die Buchtipps für die zweite Halbzeit gibt es auf diesem Kanal rechtzeitig vor dem Anpfiff am 7. August.

Und hier – wie versprochen – unsere ganz persönlichen Buchtipps für die August-Lesungen beim o-töne Literaturfest. Dabei sind praktisch nur Buchpremieren am Start. Zum Beispiel gleich am 7. August, an dem Anika Suck aus ihrem Romandebüt „Was danach kommt“ liest. Darin wird Karmens Leben in seinen Grundfesten erschüttert, nachdem sie einen Verkehrsunfall mit tragischem Ausgang verursacht hat. Nicht nur, dass Karmen in der Öffentlichkeit (vor-)verurteilt wird. Auch die Menschen in ihrem engen Umkreis wenden sich von ihr ab. Im Prozess muss Karmen sich dann auch einer Schuld stellen, die sie schon vor dem Unfall mit sich herumgetragen hat. Ein schweres Thema über das Schicksal und das Weitermachen nach einer Katastrophe, das Anika Suck gefühlvoll, aber auch angenehm ironisch distanziert behandelt.

Die nächste Buchpremiere steht gleich am 14. August auf dem Programm. Raphaela Edelbauer wird ihr neues Buch „Die echtere Wirklichkeit“ präsentieren. Für den Roman „Dave“ hat Raphaela Edelbauer im Jahr 2021 den Österreichischen Buchpreis erhalten. Wir sind schon total gespannt auf „Die echtere Wirklichkeit“. Eine philosophische Terrororganisation will darin die Welt von Verschwörungsmythen, alternativen Wahrheiten und Fehlinformationen befreien. Eigentlich mit künstlerischen Interventionen. Aber wieso ist dann auch eine Sprengstoffexpertin mit an Bord? Wir sind dabei, als Byproxy – eine junge Frau im Rollstuhl, frisch entlassen aus dem betreuten Wohnen für junge Erwachsene – zur Gruppe stößt und sich ihr Vertrauen erarbeitet. Aber ausgerechnet bei der Vorbereitung DER großen Aktion der Gruppe wachsen die Zweifel an Byproxy: Gerade sie scheint dem Anspruch nach absoluter Wahrheit nicht nachzukommen.

Kaum zu glauben steht dann am 21. August gleich die nächste Buchpremiere an, nämlich das Debüt von Ana Drezga, „Top Girls“. Wir lernen Liv kennen und den November in Wien. Liv lässt sich durch endlose Nächte treiben und erträgt ausbeuterische Theaterproben. Nach außen führt sie ein Glitzerleben, aber in ihrem Inneren steht Entfremdung auf der Tagesordnung. Ihr Leben zerfällt mehr und mehr und die Stadt führt ein Eigenleben, wie ein lebendiger Organismus. Erst als es zu einem schmerzhaften Bruch kommt, macht sich Liv an einen Ort auf, an dem eine Wandlung möglich scheint. Ana Drezga schreibt rasant und gnadenlos über Erschöpfung, Verlust und Einsamkeit.

Zum Abschluss des Literaturfestes am 28. August gibt es nicht nur eine Buchpremiere, sondern sogar eine Vorab-Lesung, denn Nava Ebrahimis Buch „Und Federn überall“ wird erst Anfang September erscheinen. Darin begeben wir uns in eine Kleinstadt in der norddeutschen Provinz. Dort verknüpft Nava Ebrahimi das Schicksal einer Handvoll Menschen miteinander, die über den riesigen Geflügelschlachthof – den Hauptarbeitgeber in der Region – miteinander verbunden sind. Es ist ein Montagmorgen und der Tag wird das Leben der Akteurinnen und Akteure verändern. Ein rücksichtsloser Radfahrer trägt auch seinen Teil dazu bei. Ein großartiges Gesellschaftspanorama und eine mitreißende Geschichte über den Wert der Menschlichkeit in einer mehr und mehr von Härte geprägten Welt.

Hört euch die Lesungen an und kommt in unserem Geschäft vorbei. Dann könnt ihr selbst in den präsentierten Büchern schmökern!