Es dauert nicht mehr lang bis Mitte September die Gewinnerin oder der Gewinner des diesjährigen Leo-Perutz-Preises bekannt gegeben wird. Die Shortlist, also die Auswahl der fünf PreisanwärterInnen, steht bereits fest.

Der Leo-Perutz-Preis wird im Andenken an den großen österreichischen Autor jährlich an qualitativ hervorragende Krimis vergeben. Die Leserinnen und Leser können auf Werke mit literarischem Anspruch und innovativem Charakter zählen. In der Regel besteht darin auch ein eindeutiger Wien-Bezug.

Zu den diesjährigen Nominierten gehören:

Alex Beer mit „Der zweite Reiter“, Limes Verlag – Die Handlung ist im Jahr 1919 angesiedelt. Der Polizeiagent August Emmerich, den ein Granatsplitter im Krieg zum Invaliden gemacht hat, entdeckt die Leiche eines ehemaligen Soldaten. Sein Vorgesetzter glaubt nicht an einen Mord, Emmerich wiederum nicht an einen Selbstmord. Als er mit seinem Assistenten eigenmächtig Ermittlungen anstellt, schwebt er bald selbst in tödlicher Gefahr. „Der zweite Reiter“ ist der Auftakt einer Serie mit August Emmerich – es bleibt spannend.

Christopher Just mit „Der Moddetektiv“, Milena Verlag – Völlig unbescheiden ist das Buch schon auf dem Umschlag als „Kultroman“ bezeichnet. Die besten Voraussetzungen dazu hat es schon mal: Skurrile Charaktere, eine vollkommen verrückte Geschichte und eine Sprache, die dir Bilder in den Kopf malt, wie sonst nur deine Lieblingsmusik. Und witzig ist es auch, sehr unterhaltsam, ein Mo(r)dsspaß.

Stefan Peters mit „Erstbezug“, Picus Verlag – Das Buch führt uns ganz tief in den 15. Wiener Gemeindebezirk und die Gegend rund um den Gürtel hinein. Michael Bogner, ein desillusionierter Sozialberater wird hellhörig, als ihm einer seiner Schützlinge, ein afghanischer Flüchtling, von dubiosen Machenschaften eines kirchennahen Vereins bei der Wohnraumvermittlung erzählt. Als es zu einem Todesfall unter Bogners Klienten kommt, beginnt er Nachforschungen über den Verein anzustellen und gerät dabei in ein Netz von Immobilienspekulanten, die sich von ihm nicht in die Suppe spucken lassen möchten – koste es, was es wolle. Eine spannende Geschichte im „Ausländermilieu“, sehr authentisch und wirklichkeitsnah ausgeführt inklusive vielfältiger Darstellungen kleinerer und größerer Alltagsrassismen.

Theresa Prammer mit „Die unbekannte Schwester“, Ullstein Verlag – Das Buch ist der dritte Teil rund um die Abenteuer der Kaufhausdetektivin Carlotta Fiore. Theresa Prammer hat schon für den ersten Teil mit dem Titel „Wiener Totenlieder“ den Leo-Perutz-Preis 2015 erhalten. Die Ermittlerin Carlotta Fiore wird gern als das weibliche Pendant zu Wolf Haas‘ Brenner bezeichnet, was allein schon ziemlich vielversprechend ist. Im dritten Band der Reihe wird es persönlich. Carlotta arbeitet nun offiziell bei der Wiener Polizei und findet bei ihrer ersten Mordermittlung einen Zettel mit ihrem Namen am Tatort. Dann verschwindet ihre Schwester, mit der sie ein gefährliches Geheimnis teilt. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Hans-Peter Vertacnik mit „Totenvogel“, Emons Verlag – Auch bei „Totenvogel“ handelt es sich um eine Fortsetzung. Hier begegnen wir Radek Kubica wieder. Als Chef der Mordkommission bei der Wiener Polizei glaubt er keine Sekunde an Mord und Selbstmord, als der korrupte Innenminister einem Attentat zum Opfer fällt und kurz darauf sein mutmaßlicher Mörder aus einem Fenster in den Tod stürzt. Bei seinen Ermittlungen lüftet er ein folgenschweres Geheimnis. Genial ist der fulminante Showdown am Wiener Zentralfriedhof. Hans-Peter Vertacnik war selbst als leitender Beamter bei der Polizei tätig, was interessante Einblicke in Organisation und Abläufe verspricht.

Preisträgerin oder Preisträger werden am Abend der Preisverleihung am 13. September bekannt gegeben. Genug Zeit also, um davor noch in dem einen oder anderen der nominierten Bücher zu schmökern und seinem Favoriten die Daumen zu halten.