So lautet der Titel einer abwechslungsreich kuratierten Sonderausstellung, die noch bis zum 16. Februar 2020 im Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek zu sehen ist. Darin lässt sich Wien durch die Augen bekannter Autorinnen und Autoren entdecken.

Wien ist die Bühne für viele Werke der österreichischen Literatur nach 1945. Die Stadt ist darin Tatort, Traumlandschaft und Tollhaus. Sie wird horizontal und vertikal vermessen, vom Zentrum an die Peripherie, von luftigen Höhen in dunkle Abgründe.

Die KuratorInnen Bernhard Fetz und Katharina Manojlovic begeben sich in und mit Texten von Ingeborg Bachmann, Heimito von Doderer, Peter Henisch, Ruth Klüger und vielen anderen auf Stadterkundungstour. Dabei entstehen in Alltagsbeschreibungen nicht nur reale Bilder von Wien. Die Literatinnen und Literaten schaffen auch Visionen von einer Stadt, wie sie sein könnte und erinnern eine Welt, wie sie vielleicht war.

In der Ausstellung sind außergewöhnliche Manuskripte bekannter Werke zu sehen, wie zum Beispiel Baupläne, die Heimito von Doderer während des Schreibens von seinen Romanen gezeichnet hat, um die komplexen Handlungsebenen räumlich und zeitlich zu ordnen. Fotos unter anderem von Bodo Hell und Robert Menasse zeigen verschwundene Seiten der Stadt. Persönliche Dokumente, wie Spesenabrechnungen, lassen uns wieder in der Wirklichkeit ankommen. In Audioaufnahmen und Filmausschnitten kommen die Schriftstellerinnen und Schriftsteller schließlich selbst zu Wort.

Die Ausstellung „WIEN. Eine Stadt im Spiegel der Literatur“ spricht wohl Wien- und Literaturbegeisterte gleichermaßen an. Das Erlebnis wird umso besser, je mehr Zeit sich Besucherinnen und Besucher nehmen, um in die Exponate einzutauchen: Es lohnt sich, den einen oder anderen Text ganz durchzulesen statt nur zu überfliegen, sich in Ruhe die Filmausschnitte anzusehen und die Audiodateien anzuhören. Besonders gelungen ist beispielsweise die Gegenüberstellung eines Manuskriptausschnitts von Thomas Bernhards „Gehen“ und einem Kurzfilm zu Barbi Markovics „Ausgehen“.

„Schau’n Sie sich das an“, können wir dazu nur sagen und lassen Sie sich auch von unserer großen Auswahl an Büchern in und über Wien inspirieren! Hier eine kleine Auswahl davon:

  • Bernhard Fetz, Katharina Manojlovic und Kerstin Putz
    WIEN. Eine Stadt im Spiegel der Literatur
    Begleitbuch zur Ausstellung im Literaturmuseum
    der Österreichischen Nationalbibliothek
    Folio Verlag
  • Peter Henisch
    Der Mai ist vorbei / Pepi Prohaska Prophet
    Deuticke Verlag
  • Alexander Lernet-Holenia
    Ich war Jack Mortimer
    Fischer Verlag
  • David Vogel
    Eine Ehe in Wien
    Aufbau Verlag
  • Ernst Lothar
    Der Engel mit der Posaune
    btb Verlag
  • Peter Payer
    Auf und Ab – Eine Kulturgeschichte
    des Aufzugs in Wien
    Brandstätter Verlag