Aber kein Grund, um Trübsal zu blasen, handelt es sich bei diesen Sechs doch um die Finalistinnen und Finalisten des Deutschen Buchpreises 2019. Das Gewinnerbuch wird am 14. Oktober im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben. Auch zwei österreichische AutorInnen haben Chancen auf die Auszeichnung.

Nämlich Raphaela Edelbauer und Tonio Schachinger, die beide mit ihren Debütromanen für den Preis nominiert wurden. Sie gehören zu den sechs Finalistinnen und Finalisten, aus deren Runde am 14. Oktober die Siegerin oder der Sieger gekürt wird.

Raphaela Edelbauer beschäftigt sich in „Das flüssige Land“ mit der – wie heißt es so schön? – Erinnerungskultur. Oder vielmehr mit Erinnerungslücken und Verdrängungssucht. Die Physikerin Ruth Schwarz bricht nach dem Unfalltod ihrer Eltern in deren Heimatgemeinde auf, um das Begräbnis zu organisieren. Schon der Weg dorthin gestaltet sich schwierig, da Groß-Einland scheinbar nicht gefunden werden will. Endlich angekommen erliegt sie sofort der Anziehungskraft des „Lochs“, eines riesigen unterirdischen Hohlraumsystems, das die Gemeinde buchstäblich zu verschlingen droht. Welches Geheimnis verbirgt das Loch und welchen Zusammenhang gibt es mit Ruths Familiengeschichte und dem im 2. Weltkrieg verschwundenen Großvater?

„Das flüssige Land“ behandelt ein tragisches Thema in einer für Leserinnen und Leser erfrischenden Art. Raphaela Edelbauer verwendet bunte Sprachbilder, die frisch und nicht schon tausend Mal gehört ins Ohr gehen. Die auseinanderbrechende Gemeinde ist eine extrem skurrile Kulisse, in der sich fast schon phantastische Begebenheiten und Begegnungen zutragen. Eine ganz neue Form von Geschichtsaufarbeitung. Ein sehr lesenswertes Buch, das übrigens auch für den diesjährigen Österreichischen Buchpreis nominiert ist!

In seinem Buch „Nicht wie ihr“ skizziert Tonio Schachinger ein Jahr im Leben von Ivo Trifunović, einem österreichischen Ausnahmekicker, der in der englischen Premier League unglaublich viel Geld verdient und das österreichische Nationalteam mit seinen Leistungen zum Glänzen bringt. Seine Frau ist wunderhübsch, seine beiden Kinder zuckersüß und sein Leben gerät ziemlich außer Kontrolle, als er eine Affäre mit seiner Jugendlieben Mirna beginnt.

Tonio Schachinger schreibt darüber so frech, leichtfüßig und gleichzeitig tiefsinnig, dass das Buch echt Spaß macht. Auch Themen, wie das Leben mit Migrationshintergrund, Alltagsrassismus und die Geschäftemacherei im Spitzenfußball werden locker rübergebracht, ohne banal zu werden. Ein Lesevergnügen egal, ob man Fußballfan ist oder nicht.

Wir halten den beiden die Daumen!

Raphaela Edelbauer
Das flüssige Land
Verlag Klett-Cotta

Tonio Schachinger
Nicht wie ihr
Verlag Kremayr & Scheriau