Seit fast 40 Jahren beschäftigt sich der deutsche Schauspieler, Regisseur und Autor Hanns Zischler mit der Kinoleidenschaft von Franz Kafka. Sein 1996 erschienenes Buch „Kafka geht ins Kino“, das zu den Klassikern der Kafka-Forschung zählt, liegt nun in einer erweiterten Neuauflage vor.

Hanns Zischler hat mit seinem Werk vor 20 Jahren eine weitgehend unbekannte Seite Kafkas erschlossen. In jahrelanger Arbeit hat er die Tagebücher und Briefe Kafkas durchforstet und anhand der dortigen Eintragungen und Berichte die Begeisterung des Schriftstellers für das „neue“ Medium Film aufgearbeitet. Zischler gelang es, Kafkas Aufzeichnungen mit den damaligen Filmprogrammen abzugleichen. Dann sammelte er die dazugehörenden Filmplakate, Werbezettel und erste Filmkritiken und lieferte damit auch interessante Einblicke in die frühe Stummfilmgeschichte.

Seit dem Erscheinen der Erstausgabe von „Kafka geht ins Kino“ ist reichlich neues Material aufgetaucht und nicht zuletzt auch durch die Digitalisierung von Archiven zugänglich geworden. Dazu zählen unter anderem Filme des tschechischen Kinopioniers Jan Krizenecky, die erstmal 1898 gezeigt wurden. Diese und weitere Entdeckungen hat Hanns Zischler in die erweiterte Neuauflage seines Buches eingearbeitet.

Die im Galiani Verlag erschienene Neuauflage beinhaltet für Cinephile außerdem ein besonderes Zuckerl: Auf einer DVD sind die wichtigsten Filme versammelt, die Kafka damals sah. Darunter Krizeneckys „Straßenbahnfahrt durch Prag“ aus dem Jahr 1908 und der dänische Skandalfilm „Die weiße Sklavin“ aus 1911. Damit werden Kafkas diesbezüglichen Schilderungen 150 Minuten lang vor unseren Augen lebendig. Einmal im Leben mit Franz Kafka ins Kino gehen – dieses Buch macht es möglich!

Hanns Zischler
Kafka geht ins Kino
Galiani Verlag