Im Herbst regnet nicht nur buntes Laub von den Bäumen. Auch eine Reihe von Buchpreisen ergießt sich über die Köpfe von Autorinnen und Autoren. Hier eine kurze Zusammenfassung.

Rund um die Buchmessen in Frankfurt und Wien beziehungsweise das internationale Literaturfestival BuchBasel werden im Oktober und November die großen nationalen Buchpreise in Deutschland, Österreich und der Schweiz vergeben.

Den Deutschen Buchpreis 2019 hat Saša Stanišić für seinen Roman „Herkunft“ erhalten. Der grandiose Erzähler nimmt die Leserinnen und Leser wieder auf eine Erinnerungsreise mit, in der er gekonnt autobiografische und fiktionale Elemente mischt. Die Herkunft ist dabei immer Bürde und Chance zugleich. Erzählt wird mit Humor und feinem Sprachwitz.

Norbert Gstrein hat den Österreichischen Buchpreis 2019 bekommen. „Als ich jung war“ ist eine spannende Erzählung über einen Mann, der nach Jahren im Ausland in seine Heimat zurückkehrt. Wie seine Abreise und seine Rückkehr mit dem Leben und Sterben mehrerer Frauen verknüpft sind, lässt sich bis zum Ende nicht ganz aufklären. Gstrein erweist sich einmal mehr als Meister des Zwielichts und der losen Fäden.

Der Schweizer Buchpreis ging 2019 an Sibylle Berg und „GRM Brainfuck“. In Großbritannien wurde die Monarchie abgeschafft, der Brexit ist vollzogen, die totale Überwachung steht auf dem Programm. Auch in der übrigen Welt kommen Autokratien mehr und mehr in Mode. Für Träumereien bleibt keine Zeit, Jugendliche flüchten sich in Grime, eine Art Rap. Und vier von ihnen starten eine Revolution. Ein Buch, das die Welt von heute bis zur Kenntlichkeit entstellt. Sibylle Berg hat es wieder mal auf den Punkt gebracht.

Im Rahmen des Österreichischen Buchpreises wird jährlich auch ein Preis für das beste Debüt einer Autorin / eines Autors vergeben. Dieser Debütpreis ging 2019 an Angela Lehner und ihr Buch „Vater unser“. Auch hier hat man es, wie in Gstreins Buch, mit einer Protagonistin zu tun, die alles andere, als vertrauenswürdig ist. Eine junge Frau wird in die Psychiatrie eingeliefert, trifft dort ihren Bruder und fasst einen folgenschweren Entschluss, um seine und ihre Heilung voranzutreiben. Wir Leserinnen und Leser werden dabei von ihr von der ersten bis zur letzten Seite manipuliert. Ein Buch, das sich als frecher Spaß tarnt, aber lange nachwirkt.

Angela Lehner wurde dafür außerdem mit dem Literaturpreis Alpha ausgezeichnet, der von den Casinos Austria und den Wiener Büchereien vergeben wird. Damit werden Talente gefördert, die am Anfang ihrer Karriere stehen und erst maximal drei Bücher veröffentlicht haben.

Die Krimifans kommen im Herbst ebenfalls auf ihre Rechnung. Und auch hier haben wir den Fall, dass eine Autorin gleich zwei Preise entgegennehmen konnte. Alex Beer wurde für „Der dunkle Bote“ mit dem Leo-Perutz-Preis für Kriminalliteratur bedacht. Sie ist übrigens die erste Autorin, die diesen in Wien verliehenen Preis schon zum zweiten Mal bekommen hat. Darüber hinaus gabs auch den Österreichischen Krimipreis 2019 für sie, der von den Swarovski Kristallwelten gestiftet wird. „Der dunkle Bote“ ist schon der dritte Teil der Reihe rund um den Kriminalinspektor August Emmerich, der nach dem Ersten Weltkrieg in Wien grausame Morde aufklären muss. Man hört, es wäre sogar der beste Band der Serie bisher. Am besten, Ihr macht euch selbst ein Bild!

Saša Stanišić
Herkunft
Luchterhand Verlag

Norbert Gstrein
Als ich jung war
Hanser Verlag

Sibylle Berg
GRM Brainfuck
Kiepenheuer & Witsch

Angela Lehner
Vater unser
Hanser Verlag

Alex Beer
Der dunkle Bote
Limes Verlag