Der Buchpreise-Herbst 2021 ist weiblich
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Der Buchpreise-Herbst 2021 ist weiblich

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Herbstzeit ist Buchpreise-Zeit: Im Oktober und November werden der Österreichische, der Deutsche und der Schweizer Buchpreis vergeben. Im heurigen Jahr – 2021 – gingen alle drei beziehungsweise mit dem Debütpreis des Österreichischen Buchpreises sogar vier Preise an Autorinnen. Wir gratulieren und stellen die vier Bücher kurz vor.

Wir gehen das Thema chronologisch an: Im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse wird im Oktober jährlich der Deutsche Buchpreis vergeben. Als „Roman des Jahres“ wurde „Blaue Frau“ von Antje Rávik Strubel ausgezeichnet. Strubel lässt als Protagonistin eine Figur aus einem ihrer früheren Romane auftreten: Adina, die es aus ihrem Heimatdorf in Tschechien immer schon in die Ferne gezogen hat, ist mittlerweile in Berlin angekommen. Sie bekommt einen Praktikumsplatz in der Uckermark, sexuelle Übergriffe passieren, Adina zieht sich in sich selbst zurück, haut ab und strandet in Helsinki. Dort verliebt sich ein EU-Abgeordneter in sie. Er kämpft für Menschenrechte, sie möchte einen Weg aus ihrem inneren Exil finden. Und dann gibt’s da noch die blaue Frau, die ziemlich viel über alles weiß. Ein poetischer Text mit viel Sogwirkung.

Im November findet jedes Jahr die Buchmesse „Buch.Wien“ statt. Zu ihrem Start wird der Österreichische Buchpreis vergeben und zwar für den „Roman des Jahres“ und den besten Debütroman des Jahres. Gerade auch die Debüts sind immer sehr interessant, weil dabei qualitätvolle Neuentdeckungen gemacht werden können.

Den Österreichischen Buchpreis 2021 hat Raphaela Edelbauer für ihren Roman „Dave“ erhalten. Ein unglaublich spannendes Buch, das sich des Themas Künstliche Intelligenz in seinem ganzen Facettenreichtum annimmt: Raphaela Edelbauer bringt mit einer scheinbaren Leichtigkeit technische, philosophische und gesellschaftliche Aspekte in ihre Geschichte rund um den Programmierer Syz ein, dass einem als Leser*in ganz schwindelig wird. Was braucht es, um eine Maschine, die die Welt retten soll, mit menschlichem Bewusstsein auszustatten? Syz setzt alle seine Hoffnungen in die Technik. Als er aber hinter die Kulissen des riesigen Labors schaut, geraten seine Weltanschauungen ins Wanken. Ein mitreißendes Buch, das zum Nach- und Weiterdenken anregt.

Der Debütpreis 2021 geht an Anna Albinus und ihre Novelle „Revolver Christi“. Schon allein das Thema der alle 10 Jahre stattfindenden Wallfahrt zum Revolver Christi und die Ikonen des Christus an der Waffe ist skurril. Klar, dass sich kein „normaler“ Krimi daraus entwickeln kann, wenn in der Kathedrale, in der die Reliquie ausgestellt ist, ein Schuss fällt. Die studierte Theologin Anna Albinus zeichnet ein kritisches Szenario zur spektakulären Inszenierung des Glaubens und zum Zusammenspiel von Glaube und Gewalt. Gar kein alltägliches Buch.

Auch der Schweizer Buchpreis wird jährlich im November vergeben. Die Gewinnerin 2021 ist Martina Clavadetscher mit ihrem Roman „Die Erfindung des Ungehorsams“. Auch in diesem Buch geht es um das Thema Künstliche Intelligenz. Im Vordergrund steht nicht Technologiekritik. Martina Clavadetscher macht die künstlichen Wesen mit ihrem eigenwilligen Erzählstil, der auch Elemente der Lyrik und des Dramas enthält, lebendig. Sie verwebt in ihrem Roman die Schicksale von drei Frauen, die über Landes- und Zeitengrenzen hinweg miteinander verbunden sind. Alle drei möchten herausfinden, was das Leben ausmacht, was einem zum Menschen oder zur Maschine macht. Ein Leseerlebnis der besonderen Art.